Alles Natur in Naturkosmetik?

Naturkosmetik ist begehrt wie nie zuvor.

Allein in Deutschland ist der Umsatz in dieser Sparte in den letzten zwei Jahren um 50 % gestiegen. Im Jahr 2007 machte Biokosmetik bereits ein Zehntel des Gesamtkosmetikmarkts aus und die Tendenz ist steigend im Gegensatz zum herkömmlichen Kosmetikmarkt, der mit stagnierenden Umsatzzahlen zu kämpfen hat. Da wundert es nicht, dass sich auch die großen Kosmetikmarken ein Stück dieses Kuchens durch Aufkaufen von Naturkosmetikherstellern abschneiden wollen.

Mit der alten Ökoszene hat Biokosmetik nichts zu tun. Vielmehr das wachsende ökologische Bewusstsein und der damit einhergehende Wertewandel mit einem gesünderen Lebensstil tragen zu der großen Wachstumsrate bei.

Viele Menschen besinnen sich auf die Natur, wollen weg von viel Chemie und bevorzugen natürliche Rohstoffe bei den Dingen, die sie an ihre Haut lassen und zu sich nehmen. Zu diesem Neo-Nature-Trend gehört die Sehnsucht nach dem Einfachen und Reinen. Die Natur soll gesund erhalten werden und gleichzeitig wird Gesundheit in der Natur gesucht.

Die deutsche Marke Dr. Hauschka, die bereits seit den 60-iger Jahren existiert, war vor ein paar Jahren plötzlich in aller Munde, als Julia Roberts und andere Hollywood-Stars Dr. Hauschka-Produkte öffentlich erwähnten. Der Naturkosmetikmarkt fing an zu boomen.

Wieviel Natur ist nun in Naturkosmetik?
Der Begriff ist nicht geschützt. Jeder Hersteller, der in seinen Produkten pflanzliche Inhaltsstoffe verarbeitet, darf sein Produkt so propagieren, auch wenn zusätzlich synthetische Stoffe beigemischt werden.

Naturkosmetik_Guetesiegel

Inzwischen gibt es Gütesiegel, z. B. vom BDIH, dem Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel, einer Vereinigung von Herstellungs- und Vertriebsunternehmen. Mit dem BDIH-Prüfsiegel „Kontrollierte Natur-Kosmetik“ werden diejenigen Hersteller ausgezeichnet, die bei der Produktentwicklung höchste Ansprüche an moderne, natürliche und besonders hautverträgliche Pflege stellen.

Die Richtlinie „Kontrollierte Natur-Kosmetik“ des BDIH beschreibt die Standards und Kriterien für Naturkosmetikprodukte:

  • Pflanzliche Rohstoffe, soweit möglich aus kontrolliert-biologischem Anbau oder kontrolliert biologischer Wildsammlung.
  • Tierschutz: Weder bei der Herstellung noch bei der Entwicklung oder Prüfung der Endprodukte werden Tierversuche durchgeführt. Der Einsatz von Rohstoffen toter Wirbeltiere (z. B. tierische Fette, Frischzellen) ist nicht gestattet.
  • Mineralische Rohstoffe: Der Einsatz anorganischer Salze und mineralischer Rohstoffe ist gestattet.
  • Rohstoffe mit beschränktem Einsatz: Es dürfen Bestandteile verwendet werden, die durch Hydrolyse, Hydrierung, Veresterung, Umesterung, sonstigen Spaltungen und Kondensationen aus den folgenden Naturstoffen gewonnen werden: Fette, Öle und Wachse, Lecithine, Lanolin, Mono-, Oligo- und Polysaccharide, Proteine und Lipoproteine.
  • Bewusster Verzicht auf organisch-synthetische Farbstoffe, synthetische Duftstoffe, ethoxilierte Rohstoffe, Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte.
  • Konservierung: Neben natürlichen Konservierungssystemen sind nur bestimmte naturidentische Konservierungsmittel wie Benzoesäure, ihre Salze und Ethylester, Salicylsäure und ihre Salze, Sorbinsäure und ihre Salze, Benzylalkohol erlaubt. Die Angabe des Konservierungsstoffes ist namentlich erforderlich!
  • Keine radioaktive Bestrahlung zur Entkeimung.
  • Kontrolle durch ein unabhängiges Prüfinstitut. Die Einhaltung der Kriterien wird durch das verbandseigene Prüfzeichen dokumentiert.

Weitere Zielsetzungen des Verbands sind die ökologische und soziale Verträglichkeit und Transparenz bei der Rohstoffgewinnung und Herstellung sowie aktiver Einsatz gegen Genmanipulation.

Viele Naturkosmetikhersteller dürfen das Gütesiegel des BDIH tragen, z. B. Dr. Hauschka, Logona, Lavera, Sante, Laveré, Dr. Scheller, bellybutton, aliva, Weleda, Töpfer und viele andere.


Im Jahr 2008 wurde NaTrue, eine europäische Interessenvertretung von Naturkosmetikherstellern gegründet, die einen Kriterienkatalog zur Unterscheidung der Begriffe Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil und Bio-Kosmetik erstellt hat. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Laverana/Lavera, Logana, Primavera, Santaverde, Wala/Dr. Hauschka und Weleda. Die Richtlinien von NaTrue sind wesentlich strenger als die des BDIH.

Das Gütesiegel von NaTrue gibt es in drei Stufen:

1. Stufe Naturkosmetik:
Natürliche, naturnahe und naturidentische Stoffe, die für Naturkosmetika eingesetzt werden dürfen, sind klar umgrenzt. Restanteile beliebiger Stoffe sind nicht erlaubt. Das Produkt erhält das Siegel und einen Stern.

2. Stufe Naturkosmetik mit Bio-Anteil:
Naturkosmetik mit einem Anteil von mindestens 70 % der enthaltenen Naturstoffe aus kontrolliert biologischer Erzeugung oder kontrollierter Wildsammlung. Das Produkt erhält das Siegel und zwei Sterne.

3.Stufe Biokosmetik:
Mindestens 95 % der enthaltenen Naturstoffe stammen aus kontrolliert biologischer Erzeugung oder kontrollierter Wildsammlung. Das Produkt erhält das Siegel und drei Sterne.

Weitere Auflagen für die Herstellung sind soziale und ökologische Verträglichkeit, fairer Handel, Verzicht bei den naturnahen Stoffen auf Erdöl und Verwendung von ausschließlich naturidentischen Konservierungsstoffen, was für Allergiker wichtig ist.

Mit dem Drei-Sterne-System wird für den Kunden verständlicher, welche Inhaltsstoffe und deren Kriterien in einem Produkt enthalten sind. Wer also wirklich Biokosmetik erhalten möchte, ist mit dem NaTrue-Gütesiegel auf der sicheren Seite. Lassen Sie sich von den feinen Pflanzenrezepturen verwöhnen!

Dr._Hauschka


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