„Zur Farbenlehre“, Goethes Hauptwerk zum Thema Farbe, erschien zwischen 1808 und 1810.

Goethe beschäftigte sich nicht nur mit Literatur, sondern auch mit Naturwissenschaften. Seine Überlegungen zum Thema Farbe reichen bis in das Jahr 1791 zurück.

Goethes Farbtheorie basiert auf einem elementaren, polaren Gegensatz von Hell und Dunkel. Farben sind für ihn Phänomene zwischen Licht und Finsternis.

Gelb liegt nah an der Helligkeit und Blau nah an der Dunkelheit. Diese beiden Farben sind rein. Alle anderen Farben liegen zwischen den Polen.

Da Purpur nicht aus anderen Farben mischbar ist, nimmt Goethe als reine Malfarben Gelb, Blau und Rot.

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In Goethes Farbkreis stehen sich die Komplementärfarben jeweils gegenüber.

Unser Auge bildet nach der Betrachtung einer Farbe selbst die Komplementärfarbe. Testen Sie es selbst: Schauen Sie ca. 20 Sekunden auf eine gelbe Fläche und schließen Sie die Augen. Was Sie dann sehen, ist eine violette Fläche. Haben Sie vorher Rot betrachtet, sehen Sie danach Grün, nach Orange die Farbe Blau.

Goethe bezeichnete den von Gelb zum Rot übergehenden Teil seines Farbkreises als Plusseite („warme“ Seite) und die andere Hälfte zum Blau hin als Minusseite („kalte“ Seite).

Gerade im Zusammenhang mit der Farbberatung wird von „warmen“ und „kalten“ Farben gesprochen.

Warme Farben sind:

  • Gelbrot
  • Orange
  • Gelb
  • Gelbgrün

Kalte Farben sind:

  • Blaurot
  • Blau
  • Violett
  • Blaugrün

Rot und Grün können sowohl in die warme als auch in die kalte Richtung tendieren. Alle anderen Farben nicht! Es gibt weder ein kaltes Gelb noch ein warmes Blau.

Laut Goethe beeinflusst Farbe das Gefühl und wirkt dadurch direkt auf die Seele. Er sieht Farben „als Bewusstseinsinhalte von sinnlichen Qualitäten“ und legt so den Schwerpunkt auf die psychologische Wirkung von Farben.

Goethe beeinflusste die Farbenlehre sehr nachhaltig. Seine Beobachtungen in Bezug auf die Wirkung der Farben sind als Beginn der modernen Farbpsychologie anzusehen.